Auf hohem Niveau

Regionaler Außenhandel bleibt auf Erfolgskurs

Gute Nachrichten zum Jahresbeginn: Der südhessische Außenhandel hat im vergangenen Jahr zugelegt. Mit  60 Prozent liegt die Exportquote deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Insbesondere im letzten Quartal 2016 gab es einen starken Anstieg, daraus lassen sich positive Signale für die nächsten Monate ableiten.


Pressemeldung Nr. 1 vom 5. Januar 2017 - „Der Außenhandel in Südhessen hat 2016 das hohe Niveau des Vorjahres trotz aller Turbulenzen nochmals übertroffen“, sagt Axel Scheer, Experte für Außenwirtschaft bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar. Der Auslandsumsatz des verarbeitenden Gewerbes im Bezirk der IHK Darmstadt ist seit 2009 um 16 Prozent gewachsen. Die Exportquote liegt bei 60 Prozent und somit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 40 Prozent.
2016 hat die IHK Darmstadt 78.924 Außenhandelsdokumente ausgestellt. Das sind 1.715 mehr als 2015 (plus 1,02 Prozent). Insbesondere im letzten Quartal 2016 gab es einen starken Anstieg, daraus lassen sich positive Signale für die nächsten Monate ableiten. Treibende Branchen waren die chemische und pharmazeutische Industrie, der Automobilbau, der Maschinenbau sowie elektrotechnische Erzeugnisse. „Gestählt von den weltweiten Turbulenzen in den vergangenen Jahren sind die südhessischen Unternehmen international besser und breiter aufgestellt“, sagt Scheer.

USA weiter wichtigster Markt

Hessen exportierte 2015 Waren im Wert von 7,7 Milliarden Euro in die USA. Damit ist die USA mit einem Anteil von 12,8 Prozent der bedeutendste Abnehmer hessischer Waren. Die Ausfuhren stiegen gegenüber 2014 um 6,5 Prozent. Auch importseitig bleiben die USA wichtigster Handelspartner für hessische Unternehmen. Importiert wurden Waren und Güter im Wert von 8,7 Milliarden Euro. Das sind 10,6 Prozent aller hessischen Importe.
Über 200 Unternehmen aus dem Bezirk der IHK Darmstadt haben aktive Wirtschaftsbeziehungen in die Vereinigten Staaten. Mindestens 31 Unternehmen sind mit einer Niederlassung oder Produktionsstätte in den USA vertreten. „Wir gehen davon aus, dass sich auch unter einem Präsidenten Trump nichts an der Bedeutung des amerikanischen Marktes für die südhessischen Unternehmen ändern wird“, sagt Scheer. Das belege auch eine Umfrage der deutschen Auslandshandelskammern in den USA. Danach erwarten 98 Prozent aller befragten deutschen Unternehmen, dass sich ihr Geschäft auch 2017 positiv entwickeln wird. „Die etablierten Firmen haben sich in den vergangenen Jahren eine starke Marktposition aufgebaut. Aber auch das Interesse von Neueinsteigern ist weiterhin groß. Die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus Deutschland ist konstant hoch“, so Scheer. 

Unsicherheit bei Unternehmen spürbar

Iran, Russland, Türkei, Brexit – die Unsicherheit bei den südhessischen Unternehmen ist wegen der aktuellen Entwicklungen spürbar. Insbesondere bei Exporten nach Russland oder Iran sind die Unternehmen verunsichert. Das Problem ist neben den Sanktionen vor allem der Dschungel an Verordnungen, in dem sich die Unternehmen zurechtfinden müssen. „Kleinere Unternehmen haben oftmals gar nicht die nötigen Kapazitäten, um sich damit auseinander zu setzen“, berichtet der IHK-Experte. 
Die EU hat ihre Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland erneut um sechs Monate bis zum 31. Juli 2017 verlängert. Die südhessischen Exporte dorthin sind seit 2013 um rund 50 Prozent gesunken und waren auch 2016 weiter rückläufig (-10 Prozent). Von Januar bis Oktober 2016 wurden Waren im Wert von rund 713 Millionen Euro (2015: 790 Millionen Euro) aus Hessen exportiert.  Bei Exporten in den Iran ist zwar ein leichter Zuwachs von 142,6 auf 152, 5 Millionen Euro zu verzeichnen, der ganz große Boom ist aber bislang ausgeblieben.
Auch die Folgen des Brexit beschäftigen die südhessischen Unternehmen. Es gibt bis auf den Wertverlust des britischen Pfunds zwar bislang keine unmittelbaren Veränderungen. Die Unternehmen beschäftigen sich aber mit längerfristigen Szenarien: „Selbst wenn im Rahmen eines etwaigen Handelsabkommens auf Zölle verzichtet würde, kommt auf sie mehr Bürokratie zu. Und es kann zu Einschränkungen im Bereich der Arbeitnehmerfreizügigkeit kommen“, sagt Scheer.