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FAMILIE UND BERUF
Betriebseigene Kindertagesstätte
Seit drei Jahren leistet sich die Deutsche Telecom AG Products & Innovation am Standort Darmstadt eine eigene Kindertagesstätte. Die Einrichtung für Kleinkinder ist für die Mitarbeiter vor allem wegen der flexiblen Betreuungszeiten ein Segen: Dauert ein Meeting mal wieder länger als ursprünglich vorgesehen, genügt ein Anruf und der Nachwuchs spielt in Ruhe weiter, bis er abgeholt wird.
NOCH SIND Betriebskindergärten wie bei der Telecom Products & Innovation bundesweit eher die Ausnahme. „Aber ich glaube sie sind ein gutes Angebot, um Mitarbeiter bei einer Firma zu halten“, sagt Nadja Zimmermann, kommissarische Leiterin der Kita „T-Pünktchen“. Seit drei Jahren werden in der Einrichtung Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren betreut. Während Vater oder Mutter irgendwo im Haus an ihrem Schreibtisch sitzen, Kunden betreuen oder in Meetings neue Projekte besprechen, spielt der Nachwuchs im Erdgeschoss des selben Gebäudes. Rund 3.000 Mitarbeiter zählt die Deutsche Telecom Products & Innovation. Bis vor zwei Jahren ein zusätzlicher Kindergarten für bis Sechsjährige auf dem Telekom-Areal eröffnete, sei der Andrang sehr groß gewesen, sagt Nadja Zimmermann. „Aber heute können wir die Nachfrage decken.“
Zeitkontingente und Platz-Sharing
Flexible Betreuungszeiten bringen die Bedürfnisse von Arbeit und Betreuung im „T-Pünktchen“ passgenau zusammen. Eltern kaufen komplette Tage oder Betreuungsstunden individuell nach ihren Bedürfnissen. „Wenn sie ihr Kind zum Beispiel Dienstagsvormittags und Mittwochnachmittags betreut wissen wollen, machen wir das möglich“, sagt Nadja Zimmermann. Maximal 15 kleine T-Pünktchen können so zeitgleich die Einrichtung besuchen. Durch Platz-Sharing kommen maximal 25 Kinder in der Kita unter.
Neben den Interessen der Eltern stehen vor allem die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt. Das Konzept orientiert sich an den Erziehungsgrundsätzen der Kinderärztin Emmi Pikler, bei der Wertschätzung und freie Bewegungsentwicklung die zentralen Momente sind. „Wir versuchen die Räume der Kita so zu gestalten, dass sie für die Bewegungsentwicklung der Kinder möglichst anregend sínd,“ sagt die Leiterin. Selbst die winzigen Toiletten sind so gebaut, dass sie Kleinkinder ohne Hilfe der Erwachsenen nutzen können. Ein Blick in die Einrichtung verrät zudem, dass auch die materielle Ausstattung stimmt. „Gewisse Materialien müssen da sein, um den pädagogischen Auftrag zu erfüllen“, betont Nadja Zimmermann und fügt hinzu: „Es ist kein Fehler, wenn man in Kinder investiert.“
Drei Fragen zur Kindertagesstätte T-Pünktchen an Jessica Dyroff, Abteilungsleiterin im Personalbereich bei der Deutschen Telekom AG, Products & Innovation.
Frau Dyroff, warum hat die Deutsche Telekom AG Products & Innovation vor drei Jahren in Darmstadt einen Betriebskindergarten für Kleinkinder eingerichtet?
J.D.: Unsere Mitarbeiter hatten damals einen Altersdurchschnitt von 32 Jahren. Viele waren also in einer Lebensphase, in der sie eine Familie gründeten. Wir hatten viele weibliche Fach- und Führungskräfte, die nach und nach schwanger wurden. Diese jungen Mütter wollten gerne bald nach der Geburt wiederkommen, hatten aber Probleme, eine Betreuung für ihre Kinder zu finden. Das staatliche Krippenangebot reichten einfach nicht aus. Da haben wir uns für einen Betriebskindergarten entschieden - und zwar für eine reine Krippe. Denn im Kindergartenalter ist das öffentliche Angebot wesentlich besser und es gibt einen Rechtsanspruch auf Betreuung vom dritten Geburtstag an. Die Mütter haben uns zudem gesagt, dass sie ihre Kinder nach der Krippe lieber in einer wohnortnahen Einrichtung unterbringen möchten, auch schon mit Blick auf die Einschulung.
Waren Sie mit ihrem Projekt in Darmstadt Vorreiter und hat es inzwischen Schule gemacht?
J.D.: Nein, meines Wissens nach gab es auch bereits andere Unternehmen am Standort Darmstadt, die Angebote zur Kinderbetreuung für ihre Mitarbeiter hatten. Inzwischen hat die Deutsche Telekom in Darmstadt eine weitere, größere Einrichtung auch für Kinder bis 6 Jahre eröffnet und auch an einigen Standorten des Unternehmens in anderen Städten. Viele Firmen interessieren sich inzwischen für das Thema Betriebskindergarten und informieren sich bei uns über unsere Erfahrungen und das Betreuungsmodell.
Dient ein Betriebskindergarten nur den Mitarbeitern, oder hat auch der Arbeitgeber etwas davon?
J.D.: Auf jeden Fall profitiert auch der Arbeitgeber. Beruf und Familie sind für unsere Mitarbeiter besser zu vereinbaren. Für das Unternehmen wichtige Fach- und Führungskräfte – und dadurch wichtiges Know-How – können durch ein solches Angebot dem Unternehmen schneller wieder zur Verfügung stehen. In harten Zahlen spart dies beispielsweise die Kosten für die Neubesetzung von Stellen und auch die weitaus umfangreichere Einarbeitung der Mitarbeiterin bzw. des Mitarbeiters bei der Wiedereingliederung nach einer längeren Elternzeit. Das waren harte finanzielle Fakten, die auch die Entscheidungsträger überzeugt haben. Zudem hat das Projekt unserem Image als Arbeitgeber sehr gut getan, das ist ein wichtiger Faktor, wenn man neue Mitarbeiter für das Unternehmen begeistern will.

