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OH, WIE SO TRÜGERISCH…

OECD-Bildungsstatistikmodell im Lichte der Wirklichkeit

Für die OECD-Berichterstattung werden die Bildungssysteme in drei Modellabschnitte eingeteilt: primär, sekundär und tertiär. Abschlüsse im tertiären Sektor sind solche, die von Colleges, Hochschulen und Universitäten vergeben werden – und ihre Zahl bestimmt dann die Qualität der dortigen Bildung.

Für Deutschland bedeutet diese Betrachtungsweise, dass berufliche Abschlüsse (der Dualen Ausbildung) allesamt nur im Abschnitt sekundär erfasst werden. Das zählt nicht. Wird die gleiche berufliche Qualifikation in Staaten ohne Duale Ausbildung auf einem College oder an einer Hochschule erworben – hier dann ohne und nur mit geringem Praxisanteil – zählt dies als tertiärer Abschluss.

Ein Land ohne leistungsfähige berufliche Bildung schneidet in der OECD-Statistik somit besser ab als eines mit. Hier liegt ein interessantes Beispiel dafür vor, wie ein Problem (keine betriebsnahe berufliche Ausbildung) zur Lösung (theoretische berufliche Qualifizierung) erklärt wird.

Die Missachtung der Wirklichkeit tritt noch in einem anderen Sachverhalt zu tage: Dem tertiären Sektor der OECD-Statistik sind auch die deutschen Abschlüsse des „Meisters“ zugeordnet – allerdings nur dann, wenn der Abschluss tatsächlich auf Meister lautet. Die gleichartigen Abschlüsse des kaufmännischen Bereichs (Fachwirte) bleiben außen vor.

Ein etwas tieferer Blick in die gleiche Statistik zeigt, dass Länder mit (überwiegend) hochschulischer Berufsbildung am Beschäftigungssystem vorbei produzieren. Ein gutes Beispiel sind die „angelsächsisch“ geprägten Staaten. Aber auch Ländern mit hohen Absolventenzahlen im tertiären Bereich brauchen nicht mehr „Hochqualifizierte“ im Beschäftigungssystem als Deutschland mit vergleichsweise niedrigen Werten. Die Überproduktion schlägt sich dann in unterwertiger Beschäftigung und in hohen Jugendarbeitslosenquoten nieder (auch dazu gibt es nicht nur Statistiken sonder praktische Beispiele). In allen Ländern mit betrieblicher Berufsausbildung (Deutschland, Österreich, Schweiz) ist diese Lücke dagegen klein. 

Etwas besser könnte Deutschland aber schon sein: Die beste Passung erreicht die Schweiz, und zwar dadurch, dass es eine homogene berufliche Ausbildung mit wenigen Berufsfeldern und eine starke Durchlässigkeit nach oben mittels des in der Ausbildung zu erwerbenden Berufsabiturs gibt.

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DOKUMENT-NR. 112021

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